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- Rezeption - Autor - Rezensionen |
Aus der Titanic-Rubrik Vom Fachmann für Kenner (11/2011) Sinnvoller Wetteinsatz »Ich bin mir sicher, daß du mit mindestens drei Tüten Klamotten aus der Stadt zurückkommst.« »Wie sicher?« »Ich würde deine Handtasche dafür ins Feuer legen.« (09/2011) Wirksame Diät Wurstwasser ist Fleischkonsum für Homöopathen. (06/2011) Al Dente Marmorbohnen serviert man am besten zu Lasagne aus Hartweizengrieß. (04/2011) Lauschig Wenn man bei anspruchsvollen Hör-CDs, etwa Martin Heideggers Reden, nicht auf den Text achtet, hat man wunderbares Easy Listening. (03/2011) Teppichtandlerlatein Für gewöhnlich vermeide ich bei Online-Auktionshäusern negative Bewertungen, aber bei dem Produkt »sehr Schöne alt antik persische teppich« ließ ich mich immerhin zu einem "neutral" hinreißen. Auf die prompte Beschwerde des Verkäufers, warum die Bewertung nicht positiver ausgefallen sei, erläuterte ich: "Der mitgeschickte Straßenstaub ist inzwischen weitgehend aus meiner Wohnung entfernt, aber das Raucharoma Ihres Teppichs hat u.a. eine ganze Packung Oxygen-Pulver, eine Nacht im Schnee und eine Flasche 'Domol Textilerfrischer' überstanden. Insofern scheint mir neutral eine faire Bewertung zu sein." Erst danach fiel mir auf, daß der Verkäufer in der Angebotsbeschreibung tatsächlich nichts unerwähnt gelassen hatte: "Das teppich hat stark gerauchsspuren." (01/2011) Virtuelle Hoffnung Ich bin mir über die Auswirkungen von Datenmißbrauch und -austausch durchaus im klaren, aber solange beim Online-Kraken Amazon Programmierer am Werk sind, deren Software mir Werke wie »Deutschland schafft sich ab«, »Das Ende der Geduld« und »Der kleine Drache Kokosnuß und die starken Wikinger« empfiehlt, bin ich optimistisch. (12/2010) Tiefsinn flacher Becken Wer derzeit in Osteuropa unterwegs ist, entdeckt neben den üblichen Spaßangeboten für Kinder wie Hüpfburgen und Fruchtgummiständen allerorten flache Wasserbassins, in denen riesige Luftblasen aus Plastik schwimmen. Beim Anblick der darin während des Einkaufsbummels zwischengelagerten Bälger fragte ich mich, ob die Eltern ihren Nachwuchs damit auf die großen Luftblasen vorbereiten wollen, die diesen im Leben später erwarten. Oder handelt es sich um eine pädagogische Maßnahme, vermöge derer den Kleinen nochmals der Schutz einer schwimmenden Hülle gewährt wird? Doch dann kam mir die einzige Deutung in den Sinn, die erklärt, warum man das Phänomen so häufig im trinkfesten Osten findet: Die Kleinen sollen lernen, daß man, wo es feucht und fröhlich zugeht, eine große Blase braucht. (05/2010) Feingefühl Beim Umgang mit Promis ist darauf zu achten, daß man sich behutsam in ihre Perspektive hineinversetzt: Man kennt sie, wohingegen man selbst ihnen unbekannt ist. Einmal kam meiner Mutter und mir auf dem Münchner Ostfriedhof Dieter Hildebrandt entgegen, seine Miene dem Ort entsprechend. Nachdem er kaum außer Hörweite war, meinte meine Mutter: "Der hätte jetzt bestimmt angesprochen werden wollen!" Peinlich berührt drehte ich mich Richtung Hildebrandt um. Er was sensibel genug, es mir nicht nachzutun. (01/2010) Humorlos Seitdem sich dort possierliche Nager an pfefferkornhaltigem Weihnachtsschmuck mästen und danach merkwürdige Verdauungsgeräusche absondern, gehe ich zum Lachen in den Keller. (10/2009) Ungebrochener Forschergeist Neulich gelang mir ein doppelter Nachweis für die Schwerkraft: Der Holzstuhl, auf dem ich beim Mittagessen saß, fiel in sich zusammen wie ein fachmännisch gesprengtes Haus. Und die Fingerkuppe, die sich zwischen Stuhllehne und -rücken befand, wurde Opfer meines Eigengewichts. Zwar kann mein Erlebnis als ungleich brisanter als der Apfelfall auf Isaac Newtons Haupt gelten, da ich immerhin anschließend in der Uniklinik landete, doch kam ich mit meinem natürlichen Experiment glatte 300 Jahre zu spät. Mein nächster Unfall sollte daher eine Zeitreise einleiten. (07/2009) Ratlos Ressentiments gegen Ausländer kommen mitunter ziemlich subtil daher, so daß schwer zu entscheiden ist, wann man eingreifen sollte. Neulich hörte ich in einer Radiosendung über das Zusammenwachsen der Städte Wien und Bratislava, wie eine ältere Wienerin die Bedrohung durch die näherrückenden Nachbarn einschätzte: "Was soi ma mochn? De sann nett und freindlich." Wenn Ressentiments so sympatisch hilflos klingen wie hier, was soll man machen? Soll man überhaupt was machen? Ratlosigkeit steckt eben an. (02/2009) Aberglaube "Aberglaube bringt Unglück", hatte mich mein Kollege Jens glauben machen. Als eine Bekannte einer wichtigen Prüfung entgegenfieberte, hielt ich sie folgerichtig davon ab, dreimal auf Holz zu klopfen und das magische "Toi, toi, toi" zuendezusprechen. Was soll ich sagen: Sie fiel durch und ich bei ihr in Ungnade. Vielleicht sollte ich an gar nichts mehr glauben. Und nicht mal mehr daran. Usw. (01/2009) Hochzeitsgeschenkidee Wer ein wirklich originelles und äußerst preiswertes Hochzeitsgeschenk sucht, kann sich einen Service zunutze machen, den kaum jemand kennt. Man tummele sich ein oder zwei Stunden im Internet, suche ein paar Adressen zusammen, schreibe einige Mails -- und schon erhält das Brautpaar gratis und datumsgenau individuell ausformulierte, per Hand unterschriebene Gratulationspost illustrer Persönlichkeiten. Ohne zuviel verraten zu wollen: Das Dienstwappen des Bundespräsidenten oder Heiratszitate von Philosophen, die zu kennen man den betreffenden CSU-Politikern gar nicht zugetraut hätte, machen am Festtag schon ganz schön was her. Besonders bunt beglückwünschen übrigens die Stars der volkstümlichen Musik. Unschön dagegen, daß eine populäre bayrische Schauspielerin, die einst Ärger wegen einer von ihr vertriebenen Schönheitscreme hatte, nicht gratulieren mag, weil sie zunächst auf umständlichem Vorab-Porto besteht. Und das selbst dann, wenn man im Kontaktformular ausdrücklich die segensreiche Wirkung der Creme auf das Aussehen der Braut erwähnt! (06/2008) Freier Wille Zu der großen Frage, ob es einen freien Willen bzw. ein Bewusstsein gibt, habe ich seit längerem folgendes selbstausgedachtes Argument: Wenn ich eine Maschine wäre - warum sollte ich dann keine sein wollen? Folglich kann ich keine sein. Nun habe ich gemerkt, daß empirische Evidenz für mein Argument quasi überall auf der Straße liegt und in Kneipen hängt: Man beobachte mal, wie Spiel-, Kaugummi- und andere Automaten malträtiert werden. An deren Stelle würde ich auch lieber bewusstlose Maschine bleiben. (05/2008) Leibesvisitationen Wer von den aufdringlichen Leibesvisitationen am Flughafen genervt ist oder unmetallische Kleinwaren an Bord schmuggeln möchte, kann sich eines ganz einfachen Tricks bedienen, der auf dem natürlichen menschlichen Instinkt basiert, Ekel zu vermeiden: einfach vorher einige gebrauchte, vorzugsweise noch feuchte Taschentücher in die Hosentasche stopfen. Wenn die Sicherheitsleute wissen möchten, was sich in der Tasche befindet, langsam eines nach dem anderen herausziehen. Was sich eventuell noch darunter verbirgt, interessiert die Sicherheitsleute dann überhaupt nicht mehr, versprochen. (02/2008) Weinkenner Vor gut zehn Jahren begann ich relativ wahllos Weine zu lagern, weil mir zu Ohren gekommen war, daß diese mit den Jahren immer besser würden. Nun habe ich die erste der Flaschen aus dieser Zeit geköpft: einen 1996er »Aldegheri Amarone Della Valpolicella Classico«. Ergebnis: eine unnatürliche Süße, faulige Aromen mit Nuancen von Teer bis Mottenkugel und am Morgen danach ein Schädel wie ein Wasserbüffel. (01/2008) Sprachexperiment Wenn man noch konsequenter als der Autor Wolf Haas die Verben einfach. Dann man schnell, daß dann doch irgendwas. (11/2007) Tourismus invers Der weltweite Aufschwung bringt es mit sich, daß man an immer mehr Orten Nationalitäten antrifft, die man dort nicht vermutet hätte. In meinem Beispiel war es eine Kolonie indischer Touristen, die mit dem Zug auf das Jungfraujoch fuhr, um sich dort geschlossen in einem »Bollywood-Restaurant« einzufinden. Trotz aller Begeisterung über diese neue exotische Note im Alpenraum frug ich mich aber ein wenig, was die Inder dort wollten, wo sie doch den Himalaya praktisch vor der Haustür haben. Als ich dann jedoch während der Talfahrt das Treiben auf den saftigen Wiesen studierte, wurde mir die Sache klar wie ein Enzian: Die Kühe sind in der Schweiz einfach viel hübscher als in Indien. | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||